A Bug’s Life
10. September – 12. Dezember 2026A Bug’s Life von Arash Nassiri ist die erste institutionelle Einzelausstellung des in Berlin lebenden Künstlers in Deutschland. Den Kern der Ausstellung bildet der gleichnamige Film, eine Koproduktion zwischen Fluentum, der Chisenhale Gallery, London, und der Fondation Pernod Ricard, Paris. Bei Fluentum wird der Film, der in Los Angeles gedreht und während Nassiris Residency bei Callies, Berlin fertiggestellt wurde, gemeinsam mit zwei neuen, eigens für die Ausstellung produzierten skulpturalen Werkreihen gezeigt.
In seiner künstlerischen Praxis greift Arash Nassiri (geb. 1986 in Teheran) auf die Bildsprache von Fernsehen und Kino zurück und verwandelt deren vertraute Formen in spekulative, fabelhafte Erzählungen. Teheran ist in fast all seinen Arbeiten präsent, nicht als konkret dargestellter Ort, sondern als eine flüchtige, halb erinnerte Präsenz. Ein Fokus seines Schaffens liegt in der Beschäftigung mit Architektur als Trägerin von Erinnerung. Gebäude und Innenräume begreift er als Schauplätze, an denen Migration, Verdrängung und kulturelle Vermischung ihre Spuren hinterlassen.
A Bug’s Life (2025) folgt einer Insektenpuppe auf einer surrealen nächtlichen Reise durch eine opulente Villa in Beverly Hills. Geleitet von Fäden und einem Paar leuchtender Augen, bewegt sich die Puppe an Marmorböden, vergoldeten Treppen und kostbaren Möbeln entlang. Das Haus erscheint ihr dabei zugleich als Kuriosität und als Gefahr. Von Raum zu Raum enthüllt der Film, dass es sich bei diesem Anwesen um eines der letzten erhaltenen Beispiele der Architektur von Hamid Omrani handelt, einem iranischen Architekten, der bei wohlhabenden Familien der iranischen Diaspora, die sich nach der Revolution von 1979 in den USA niederließen, sehr gefragt war. Seine Häuser vereinten unterschiedlichste Stile und Epochen zu überbordenden, prunkvollen Kompositionen, die abwertend als „Persian Palaces“ bekannt wurden, bevor Los Angeles sie 2004 gänzlich verbot.
Bei Fluentum tritt A Bug’s Life in einen Dialog mit dem Ausstellungsgebäude. Der Film wird auf eine halbtransparente Struktur projiziert, die zwei der monumentalen Säulen des Hauses miteinander verbindet. Diese Inszenierung verortet die Besuchenden in einem Raum, dessen Maßstab und Materialität selbst historisch aufgeladen sind, verwurzelt in der Architektur des deutschen Faschismus. Mehrere eigens für diese Ausstellung produzierte Skulpturen von Nassiri setzen sich ebenfalls unmittelbar mit Fragen des architektonischen Maßstabs auseinander. Eine Werkreihe besteht aus Architekturmodellen, die Hamid Omranis ursprünglichen Entwürfen entlehnt sind. Eine weitere Serie zeigt kleine Insektenmotive, die in übrig gebliebene Marmorfragmente von Fluentum eingelassen sind. Bei dem dafür verwendeten Verfahren, Pietra dura, das im Italien des 17. Jahrhunderts entwickelt wurde, werden Halbedelsteine in Steinplatten eingearbeitet, um Pflanzen- oder Tiermotive zu erzeugen.
Nach Stationen in der Chisenhale Gallery in London und der Fondation Pernod Ricard in Paris eröffnet A Bug’s Life am 9. September 2026 bei Fluentum im Rahmen der Berlin Art Week. Begleitend zur Ausstellung veröffentlicht Fluentum eine Publikation von Arash Nassiri, welche dessen Auseinandersetzung mit iranisch-amerikanischer Wohnarchitektur durch zusätzliches Archivmaterial, literarische und wissenschaftliche Textbeiträge von Théo Casciani und Hamed Khosravi sowie visuelle Recherche aus der Entstehung von A Bug’s Life vertieft.
Bildnachweis: Arash Nassiri, A Bug’s Life (Still), 2026. Gemeinsam in Auftrag gegeben von Chisenhale Gallery, London, Fluentum, Berlin, und Fondation Pernod Ricard, Paris. Produziert von Chisenhale Gallery. Mit Unterstützung durch Residenzen bei Callie's, Berlin und Villa Albertine, Los Angeles. Hauptförderer: Fondation des Artistes und Fluxus Art Projects. Mit zusätzlicher Unterstützung durch den Chisenhale Gallery Commissions Circle. Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und von Ginny on Frederick, London.

