13BC (Vic Brooks, Lucy Raven, Evan Calder Williams), Klaus vom Bruch, Keren Cytter, Loretta Fahrenholz, Margaret Honda, D'Ette Nogle, Richard Sides, Valerie Snobeck, Florian Wüst

Time Without End

15. September – 11. Dezember 2021

Im Gegensatz zur scheinbaren Neutralität von Ausstellungsräumen ist Fluentums Architektur von abwesenden Narrativen und materiellen Spuren durchzogen, die Zeugnis von den Wendepunkten des 20. Jahrhunderts ablegen. Das historisch gesättigte Gebäude entstand in den Jahren des Nationalsozialismus und war anschließend Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte und des Kalten Krieges. Kurz nach dem Ende seiner letzten politischen Nutzung als US-Militärhauptquartier wurde der Ort ab den 1990er Jahren wiederholt als Filmset reaktiviert. In seiner Rolle als vermeintlich authentische Kulisse für historische Produktionen bot der Ort internationalen Filmprojekten einen materiellen Verweis auf eine andere Zeit, etwa Quentin Tarantinos Hollywood-Blockbuster Inglourious Basterds (2009) oder den Film Killer Condom von 1995, vertrieben vom Kultstudio Troma Entertainment. Diese Überlagerungen von Narrativen und historischen Relikten im Medium des bewegten Bildes dienen als Leitmotiv für die Gruppenausstellung Time Without End. Die Werke der Ausstellung folgen dem charakteristischen Merkmal von Fluentums Ausstellungsräumen, nämlich der Vergangenheit zu erlauben, in der Gegenwart zu erscheinen.

Time Without End präsentiert Videoarbeiten, Multimediainstallationen und ortsspezifische Arbeiten, die sich den Texturen von Zeit, Geschichte und Erzählung widmen und fragen, wie zeitbasierte Medien Erinnerungen erzeugen. Die Werke werden zu Membranen, durch die Geschichten, Menschen, Kontexte und Prozesse ins Hier und Jetzt durchdringen. Durch den künstlerischen Einsatz von Methoden der Dokumentation und Fiktion, Montage und Recherche, Dauer und Präsenz veranschaulichen die Werke, wie sich Narrative an spezifische Orte, Bilder und Materialitäten heften. Als kuratorische Leitlinie strebt die Ausstellung eine enge Auseinandersetzung mit der Geschichte von Fluentums Raum und seinen sedimentierten Narrativen, Ästhetiken und historischen Ereignissen an. Einige der Werke sind Neuaufträge und entstanden aus Einladungen an Künstlerinnen und Künstler, ihre eigene Praxis in Dialog mit dem Ort und seiner Vergangenheit zu bringen.

Wie stellt man Abwesenheiten und Vergangenheiten aus, die in der Gegenwart nur latent vorhanden sind? Und wie kann die Auseinandersetzung mit vergrabenen Geschichten die eigene Position sichtbar machen? Time Without End zeigt, wie künstlerische und kuratorische Praxis, historisches Gedächtnis und mediatisierte Bilder sich miteinander verflechten. Die Frage ist hier nicht nur, wo wir uns befinden, sondern auch: wann?

Mit Time Without End eröffnet Fluentum die Programmreihe In Medias Res: Media, (Still) Moving, kuratiert von Dennis Brzek und Junia Thiede.

Installationsansichten © Stefan Korte.