Speaking Images
11. September – 16. November 2019Bewegte Bilder sind das Leitmedium der Gegenwart. Videos, Filme, 3D-Animationen, virtuelle Welten sind auch die prägenden Formate zeitgenössischer Kunst. Die politischen Dimensionen unseres eigenen Lebens, gesellschaftliche Herausforderungen, alte und neue Grausamkeiten, die großen Fragen danach, wer wir sind und wer wir noch werden könnten—all das manifestiert sich mit unvergleichlicher Deutlichkeit auf den Bildschirmen und Monitoren, die die visuelle Signatur dieser Zeit tiefgreifender Veränderungen sind.
Doch bewegte Bilder zeigen nicht nur—sie sprechen auch. Es bedarf kaum der Erwähnung, dass Filme im Wesentlichen auch Werke auditiver Kunst sind; jeder weiß, dass gesprochene und geschriebene Worte von Dokumentarfilmen bis zu Computerspielen nahezu unverzichtbare Bestandteile von Ton- und Videospuren sind. Dennoch gibt es bewegte—und zutiefst bewegende—Kunstwerke, die dem Wort, dem Satz, der Erzählung weit mehr Gewicht beimessen, als es in den verschiedenen filmischen Genres üblich ist; Werke, in denen Sprache das Herzstück des Geschehens und ein genuines Material der Kunst ist. Der Begriff „bewegte Bilder" wird diesen Werken nicht gerecht: Es sind sprechende Bilder. Bilder von Sprache und Schrift in Bewegung, ans Ohr gerichtet oder dem lesenden Auge dargeboten.
Diese Betonung steht nicht im Widerspruch zur visuellen Qualität, die für sprechende Bilder nicht weniger charakteristisch ist. Doch häufig verläuft zwischen Bild und Sprache eine Diskontinuität, ein Riss, und in dieser Lücke entsteht der eigentliche Raum des Werks, ein Raum, dem wir gegenüberstehen und der uns braucht, um ihm Substanz zu verleihen. Es ist ein fruchtbarer Raum, und die Imaginationen und Spekulationen, das Wissen und Nichtwissen, das er erzeugt, verdienen eine eingehende Betrachtung. Mit dem Anspruch, diesen Raum zu erkunden, kommt die Ausstellung zu einem Zeitpunkt, an dem sowohl Bilder als auch Worte allzu oft und unterschiedslos für bare Münze genommen werden; wenn das politische Gespräch dazu neigt, sie auf eine einzige Botschaft, eine einzige Bedeutung festzunageln, die ihnen niemals gehören kann.
Für diese erste Präsentation von Werken aus der Sammlung bat Fluentum die Berliner Galeristen und Kuratoren Alexander Koch und Nikolaus Oberhuber, eine thematisch fokussierte Auswahl zusammenzustellen. Unter dem Titel Speaking Images präsentiert die von ihnen zusammengestellte Ausstellung eine dichte und straff organisierte Abfolge von Werken, in denen Sprache und Text eine prominente Rolle spielen. Sie lädt Besucherinnen und Besucher ein, sich in die Kunst zu vertiefen, und scheut audiovisuelle Kollisionen zwischen den Werken nicht.
Mit Werken von Patty Chang, Frank Heath, Hiwa K, Adelita Husni-Bey, Sven Johne, Ferhat Özgür, Stefan Panhans, Martin Skauen, Hito Steyerl, Vibeke Tandberg, Ignacio Uriarte und Katarina Zdjelar.