Christian Jankowski

Sender and Receiver

9. September 2020 – 13. Februar 2021

Für die Ausstellung Sender and Receiver griff Christian Jankowski das wohl bekannteste Duo der klassischen Kommunikationstheorie auf, um Formen von Übertragungsprozessen zu reflektieren: Sender und Empfänger. Ende der 1940er Jahre als einfaches mathematisches Modell zur Optimierung der Signalübertragung im Telekommunikationssektor entwickelt, wurde es schnell zu einer absoluten Allegorie für den Informationsaustausch zwischen zwei Akteuren. Dieses abstrakte Modell, in dem Bedeutungen und Inhalte kommentarlos ignoriert werden, lenkt die Aufmerksamkeit sofort auf eine bisher unbemerkte Komponente: den Übertragungskanal, durch den die zu übermittelnde Nachricht geleitet wird. Genau dieser fragile Schwellenmoment einer Übertragung entscheidet darüber, ob Kommunikation gelingt oder nicht.

Dieser bisher unbemerkte dritte Akteur, der sich zwischen das Miteinander von Sender und Empfänger schiebt, ist ein wesentliches Merkmal von Jankowskis künstlerischer Praxis. Seit den 1990er Jahren sind das Einspeisen in mediale Kontexte und in sich geschlossene Systeme sowie performance- und mimikryartige Interventionen das zentrale Leitmotiv seiner Arbeit. Nicht selten vollzieht sich dabei ein grenzüberschreitender Akt zwischen den Sphären der Kunst- und Medienwelt und damit breiteren gesellschaftlichen Strukturen.

Jankowski eignet sich zunächst die Logiken seines gewählten Bereichs und dessen habituelle Prozesse und Handlungsmuster an, um sie mit konzeptuellen Interferenzen zu infiltrieren, die häufig zu selbstläuferischen Ereignissen mit ungewissen Ausgängen und willkürlicher Semantik führen.

In neuen und in früheren, teils selten gezeigten Werken kreisen Themen um Ideen wie Beruf und Berufung; Momente der Störung und Liminalität werden in verschiedenen Übertragungskanälen materialisiert. Obwohl künstlerische Werke gelegentlich dazu neigen, nach ihrer anfänglichen Bedeutungszuschreibung metaphorischen Staub anzusammeln, bieten gesellschaftliche Ereignisse und Veränderungsprozesse die Möglichkeit, sie in einen neuen Dialog mit ihrer Umgebung zu stellen und dadurch einen Bedeutungswandel zu erfahren. Die in der Ausstellung nachverfolgten Übertragungsprozesse aus den Bereichen Telekommunikation, Spiritualität oder Territorialität erhalten so durch Wahrnehmungsfilter angesichts des Jahres 2020, das von einem Virus tiefgreifend bestimmt wurde, eine eigentümliche Nähe zur Gegenwart.

Installationsansichten © Eike Walkenhorst.

Erdgeschoss

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Obergeschoss

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