Demolition/Escape
29. April – 25. Juli 2026Demolition/Escape vereint drei Künstlerinnen und Künstler, deren Video- und Soundarbeiten ein gemeinsames Interesse an Bewegung, Risiko und Umkehrung teilen. Die Ausstellung zeigt zum ersten Mal seit über dreißig Jahren eine vollständige Rekonstruktion von Tina Keanes Installation Escalator (1988) sowie neue Arbeiten von Hilary Lloyd und James Richards.
In Keanes fünf Meter hoher Zweikanal-Videoinstallation wird Aufmerksamkeit durch ihre vertikale, serielle Struktur generiert. Elf übereinander gestaffelte Monitorpaare zeigen auf der linken Seite Geschäftsleute im Anzug, die in eine Welt aus Glas und Stahl aufsteigen, während rechts Obdachlose zu sehen sind, die sich in unterirdischen Bahnhöfen der Stadt aufhalten. Das fortwährende Hinauf- und Hinabgleiten der Bilder lässt Betrachtende niemals ankommen, sondern bringt sie immer wieder an denselben Ausgangspunkt zurück, wodurch eine schwebende, repetitive Zeitlichkeit entsteht. Aufhebung und Wiederholung verfremden vertraute Gesten und verleihen alltäglichen Bewegungen neues symbolisches Gewicht. Umkehrung fungiert hier, sowie, auf unterschiedliche Weise, auch in den Arbeiten von Lloyd und Richards, als kritische Methode.
Hilary Lloyd und James Richards zeigen neue, im Dialog entstandene, Arbeiten, die Escalator gleichermaßen kontextualisieren, auf die Architektur von Fluentum reagieren und neue Verbindungen herstellen. Richards Soundinstallation How different different kisses are (2026) funktioniert sowohl allein, sowie als stellvertretender Soundtrack für die sonst stumme Arbeit Escalator. Seine Serie von acht großformatigen, auf Platten montierten Postern, Travellers (2026), ruft die Assoziation von Werbetafeln im Untergrund hervor, ein Motiv, auf das auch Keane in verschiedenen Versionen von Escalator zurückgriff, indem sie Standbilder der Videos in Leuchtkästen neben der Struktur präsentierte. Lloyds Come up and see me (2026) zeigt eine Reihe von Videomomentaufnahmen in Verbindung mit Eingriffen in den Ausstellungsraum, die eine sinnliche und ungehemmte Atmosphäre entstehen lassen.
Der Ausstellungstitel ist Tina Keanes Installation Demolition/Escape (auf Deutsch: Abriss/Flucht) aus dem Jahr 1983 entliehen. Die Arbeit wurde ursprünglich als Demolition konzipiert, eine Soundarbeit, die Teil von Audio Arts’ Live to Air (1982) war, bevor Keane drei weitere Elemente hinzufügte: einen kleinen Zug auf einer Gleisspur, einen im Zickzack angeordneten Turm mit sechs Monitoren, abwechselnd auf dem Kopf und aufrecht stehend, die die Künstlerin beim Hinaufsteigen einer Strickleiter zeigen sowie eine Neonarbeit, die von 9 bis 1 herunterzählt. Im Dreieck angeordnet und von den roten und gelben Lichtern des Zuges beleuchtet, besitzt die Arbeit jene sinnliche, skulpturale Körperlichkeit, die für Keanes Praxis charakteristisch ist.
Obwohl Demolition/Escape nicht Teil der Ausstellung bei Fluentum ist, hilft sie ihre Logik zu verstehen: ihre unterschiedlichen Elemente fügen sich zu einem Gesamtwerk zusammen und bleiben zugleich als individuelle Einheiten lesbar – diese Vorgehensweise haben die Künstler, Künstlerinnen und Kuratoren auch auf die gesamte Ausstellung übertragen. Indem Demolition/Escape auf Themen in Keanes Werk zurückgreift, über ihr künstlerisches Erbe reflektiert und zugleich etwas Neues hervorbringt, schafft die Ausstellung eine Umgebung, in der Körper, Bilder und Technologien einander hervorbringen.
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Kuratoren: Dan Kidner, Raoul Klooker
Assistenzkuratorin: Janika Jähnisch
Medienpartner
Ausstellungsansichten Fluentum, 2026. © Fotos: Stefan Korte.
Kuratoren: Dan Kidner, Raoul Klooker
Assistenzkuratorin: Janika Jähnisch
Medienpartner
