UNICA
27. April – 16. Juli 2022Mit UNICA präsentiert Fluentum eine neue Videoauftragsarbeit der Künstler*in und Filmemacher*in Blaise Kirschner. Die über den gesamten Ausstellungsraum ausgedehnte Zweikanal-Arbeit legt Spuren der Katastrophe in historischen, simulierten und inneren Welten frei.
Ausgehend von Kirschners umfangreicher Recherche zu den technologischen und ästhetischen Potenzialen immersiver Medien befasst sich UNICA mit dem Motiv katastrophischer Zerstörung in postapokalyptischen Computerspielwelten. Durch die Verbindung gegenwärtiger postkinematografischer Produktionsformen wie Motion Capture mit Zeichnung und quasi-archäologischen Verfahren verdichtet Kirschner UNICA zu einer komplexen und poetischen Erkundung neuer Technologien und der aus ihnen entstehenden Erfahrungswelten.
Die latente Präsenz einer namenlosen Katastrophe, die durch UNICA hallt, wird von den Filmfiguren, gespielt von Grete Gehrke und Gabrielle Scharnitzky, immer wieder durch überlappende Verweise auf Computerspiele, Zeichnungen und Träume heraufbeschworen. Sie erscheint auch in einer von der Animatorin Diana Gradinaru gezeichneten Sequenz, die im Obergeschoss von Fluentum den Refrain der Ausstellung bildet. Diese bewusste Unbestimmtheit vermischt sich mit der Entstehungsgeschichte des Teufelsbergs, wo Teile des Films gedreht wurden. In UNICA wird der am Berliner Stadtrand aus Trümmern des Zweiten Weltkriegs aufgeschüttete Landschaftspark, der die Grundmauern des monumentalen nationalsozialistischen Projekts „Germania" begräbt, zum Leitmotiv für die unterschwellige Präsenz historischer Gewaltmomente und ihre künstliche Naturalisierung.
Kirschners filmischer Ansatz leitet sich aus den Zeichnungen und Schriften der Künstlerin Unica Zürn (1916–1970) ab. In Anagrammen und fantastischen Körperdarstellungen provozierte Zürn einen Bruch mit den normativen anatomischen, architektonischen und sprachlichen Strukturen, denen sie sich ausgesetzt sah. Kirschner überträgt Zürns generativen Ansatz auf digitale Produktionsformen und historische Drehorte und verwebt sie zu einer zutiefst aktuellen und ortsspezifischen Auseinandersetzung.
Durch eine weitläufige Anordnung scheinbar organischer Sitzelemente, die sich über Fluentums zweigeschossigen Ausstellungsraum erstrecken, ermöglicht Kirschner eine physische Auseinandersetzung mit den in UNICA entwickelten Ideen. In Reaktion auf die Architektur des aus der NS-Zeit stammenden Gebäudes destabilisiert UNICA vorgegebene Sehachsen und Bewegungsmuster.
UNICA ist die zweite Ausstellung in Fluentums dreijähriger Programmreihe In Medias Res: Media, (Still) Moving, die sich auf die Methoden und Prozesse des Erinnerns und Erzählens in Videoarbeiten konzentriert. Die von Dennis Brzek und Junia Thiede kuratierte Reihe wurde im September 2021 mit der Gruppenausstellung Time Without End eröffnet und wurde 2023 mit Trash The Musical von Loretta Fahrenholz abgeschlossen.
Installationsansichten © Stefan Korte.
