Trash The Musical
26. April – 29. Juli 2023Fluentum freut sich, Trash The Musical zu präsentieren, eine Einzelausstellung von Loretta Fahrenholz und die letzte in der Programmreihe In Medias Res: Media, (Still) Moving. Die in Trash The Musical gezeigten Werke entstanden aus einem zweijährigen Dialog mit Fluentums historisch geprägtem Ausstellungsraum. Durch eine ortsspezifische Bildserie, eine Objektinstallation sowie einen neuen Film befragt die Ausstellung Geschichtsschreibung als Performance. Trash The Musical ist die umfangreichste Arbeit, die je an Fahrenholz für eine Ausstellung in Auftrag gegeben wurde, und ihre bislang größte Ausstellung in Berlin.
Der 37-minütige Film Trash The Musical (2023), dem die Ausstellung auch ihren Titel verdankt, entstand über zwei Jahre in Zusammenarbeit mit der Performance-Künstlerin Alicia McDaid. Von Los Angeles reist McDaid zurück nach Philadelphia, ihrer früheren Heimatstadt, um das Haus ihres Onkels auszuräumen. In den Monaten, die es braucht, das Chaos unter Kontrolle zu bringen, werden die Zimmer zu ihrer täglichen Bühne für musikalische Nummern und bizarre Selbstinszenierungen, die sie auf ihren Online-Plattformen postet. Umgeben von den aufgehäuften Habseligkeiten ihres Onkels schlüpft sie in die Rollen von Prominenten und Filmcharakteren und beschäftigt ihre Follower mit Make-up-Tutorials, TikTok-Tänzen und Gesellschaftskritik. Von Fahrenholz zu einer wilden post-kinematografischen Collage montiert, sind McDaids Performances eine radikale Erkundung persönlicher Ängste und Fragen des Älterwerdens, unerfüllter Träume, des Ghostings und der Differenz zwischen Kunst und Müll.
Die Arbeiten Once Upon a Time in Enemy-Occupied France (2023) und i need to make mistakes just to learn who i am (2023) sind eine Fortsetzung von Fahrenholz' Interesse an den Prozessen digitaler Bildgebung. Once Upon a Time in Enemy-Occupied France (2023) ist eine Serie von 30 KI-generierten Fotografien, die die fünf Kapitel von Quentin Tarantinos Hollywood-Blockbuster Inglourious Basterds nacherzählt. In seinen Filmen greift Tarantino häufig auf das Science-Fiction-Subgenre der Alternativgeschichte zurück. Als Hitler und sein SS-Gefolge in einem Pariser Kino in Flammen aufgehen, inszeniert Tarantino damit eine spekulative Revision der NS-Geschichte. Fluentum nutzt heute ein Gebäude, das während des Nationalsozialismus zunächst als Verwaltungshauptquartier der Reichsluftwaffe diente und 2008 als Drehort für den Film genutzt wurde. Vierzehn Jahre nach Tarantinos Rachefantasie bringt Fahrenholz die Handlung an diesen Ort zurück. Inzwischen ist die Instabilität von Bildern und ihren Narrativen kein bloßes Taschenspielertrick mehr, sondern unsere alltägliche mediatisierte Realität.
Im Obergeschoss der Ausstellung sprießen pilzförmige Lampen und Holzschnitzereien aus deutschen Wohnzimmern verschiedener Generationen aus dem Boden. Die an den Wänden ausgestellten Digitaldrucke zeigen Menschen aus verschiedenen Jahrzehnten beim gemeinsamen Picknick im Wald. Mit unseren gemeinsamen historischen Archiven gespeist, verweisen die von diesen Algorithmen erzeugten Motive auf konkrete Orte und Zeiten in unseren gemeinsamen historischen Archiven und flackern doch als Composite irgendwo an der Grenze zwischen dem Malerischen und dem Realen. Bild-KI visualisiert maschinelles Lernen, das zu neuen Produkten und einer eigenen Art von Alternativgeschichte weiterverarbeitet wird – bislang mit unterschiedlichem Erfolg. Was die Zukunft bereithält, bleibt abzuwarten. Wie Britney Spears in Overprotected singt: „I need to make mistakes, just to learn who I am."
Trash The Musical von Loretta Fahrenholz ist die dritte und letzte Ausstellung der Programmreihe In Medias Res: Media, (Still) Moving. Mit neu in Auftrag gegebenen Werken, Gruppen- und Einzelausstellungen sowie einer Publikationsreihe beleuchtet In Medias Res: Media, (Still) Moving die Methoden und Prozesse des Erinnerns und Erzählens im bewegten Bild. Den Ausgangspunkt für diese Untersuchung bilden die historischen, politischen und diskursiven Ebenen des Gebäudes, in dem Fluentum heute seinen Sitz hat.
Die Ausstellungsreihe wird kuratiert von Dennis Brzek und Junia Thiede. Ein Begleitkatalog wird im Sommer 2023 im Verlag der Buchhandlung Walther König erscheinen, mit Beiträgen von Felix Bernstein und Magnus Schaefer.
Installationsansichten © Stefan Korte.
