Go Soft
Seinem Titel entsprechend wird die Videoarbeit Go Soft von Valerie Snobeck zunächst durch eine sanfte Klanglandschaft wahrgenommen, die von den Handbewegungen eines Uhrmachers erzeugt wird und den Ausstellungsraum erfüllt. In akribischen Schritten öffnen Finger ein mechanisches Uhrwerk, zerlegen es in seine Einzelteile und setzen es nach der Reinigung wieder zusammen. Valerie Snobeck zeigt diesen Prozess in seiner Gesamtheit, wie eine Parabel, die vom Objekt zur Entropie und wieder zurückführt, ohne Schnitte oder Einschübe, den Blick der Betrachtenden auf den Arbeitsplatz des Handwerkers fixierend. Genau eine Stunde lang entfaltet sich ein detailliertes und minutiöses Verfahren, in dem die eigentliche Funktion der Uhr vorübergehend ausgesetzt ist, während sich der Zeitablauf für die Betrachtenden so ausdehnt, dass er scheinbar greifbar wird. Erst wenn die Uhr wieder zu laufen beginnt, hält die Zeit des Videos inne – um im Loop sofort wieder zu beginnen.
In Go Soft wird der Blick nie vom Handwerker und seinen Werkzeugen abgewendet. Eine solch fokussierte Perspektive auf Praktiken findet sich auch in den filmischen Arbeiten der Regisseure Harun Farocki oder Darcy Lange, die Arbeit aufzeichnen, wie sie sich in der Zeit entfaltet, ohne den Einsatz dramaturgischer Elemente. In Valerie Snobecks Arbeit übernimmt die Uhr die Doppelrolle von Objekt und Zeitbasis. Als zentrales Instrument der Industrialisierung machte die Uhr Produktion und Arbeitende messbar und verwandelte ihre Schritte und Handbewegungen in immer weiter optimierbares Material. Die Uhr wurde zum Symbol der Moderne und definierte Fortschritt als Vorwärtsbewegung. An der Mitte von Go Soft erscheint die eingravierte Aufschrift des Ölkonzerns Shell, der die Uhr in den 1940er Jahren als Werbegeschenk vertrieb, auf einem im Uhrwerk vergrabenen Zahnrad. Das Werbeversprechen lautete, die Uhr laufe mit dem Öl des Unternehmens – und sei daher besonders effizient und langlebig. Dieses Versprechen wird in Go Soft buchstäblich dekonstruiert und legt die technologische Euphorie jener Jahrzehnte als Ursprung politischer und ökologischer Krisen frei, die bis in die Gegenwart andauern.
Register
Go Soft
Valerie Snobeck
2014
1-Kanal-Video, Farbe, Stereo
1920px x 1080px, 60 Min. 38 Sek.