Film (Fluentum)
Die Beschaffenheit von Materialien, ihre Vorgeschichten und Entstehungsgeschichten bilden den Ausgangspunkt für Margaret Hondas künstlerische Praxis, die sich über drei Jahrzehnte erstreckt. In der für Fluentum geschaffenen zeitbasierten Installation Film (Fluentum) konzentriert sich Margaret Honda auf die Materialität des Mediums Film. Dazu arbeitet sie mit einem spezifischen Satz konzeptueller Prinzipien und arithmetischer Regeln, die sie auf den Kontext von Fluentum und die Ausstellung Time Without End anwendet: Die Anzahl der Fenster im Raum, die Verfügbarkeit von Farbfiltern sowie die Dauer der Ausstellung werden zu prägenden Elementen, die das Ergebnis der Arbeit bestimmen.
Im Verlauf der knapp dreizehn Wochen der Ausstellung werden insgesamt sechsunddreißig LEE-Lichtfilter, die in der Filmindustrie üblicherweise für Farbscheinwerfer verwendet werden, schrittweise in den neun Fenstersegmenten installiert. Die Filter wurden als Teile von „Rollen" nach dem Nummerierungssystem des Herstellers organisiert; die jeweilige Laufzeit kann der separat installierten Partitur entnommen werden. Die gezeigten Farbtöne dokumentieren alle Lichtfilter, die zum Zeitpunkt der Konzeption von Film (Fluentum) beim Gebrauchtwarenhändler Expendables Recycler in Los Angeles verfügbar waren. Als ungenutzte Überreste verschiedener Filmproduktionen markieren sie einen zeitspezifischen Ausschnitt jüngerer Filmprodukte, indem sie hervorheben, was nicht Teil eines Produktionsprozesses wurde. Mit der Architektur von Fluentums Ausstellungsraum verwoben und in ihrer physischen Form durch die vorherrschenden Lichtverhältnisse bestimmt, transformieren die Filter als materielle Bildträger die äußere Umgebung und verändern gleichsam den Blick in den Innenraum.
Wie bei einem konventionellen Film ist auch Film (Fluentum) in seiner Wahrnehmung an den Ablauf der Zeit gekoppelt. Während jedoch die Länge des Films in einem konventionellen Kinoprogramm die Aufenthaltsdauer der Zuschauenden bestimmt, wird Film (Fluentum) aufgrund der über mehrere Wochen stattfindenden Filterwechsel stets nur in spezifischen Ausschnitten präsentiert. Die Perspektive verschiebt sich von der Geschlossenheit der Dinge hin zu dem Prozess, der sich zwischen ihnen vollzieht. Hondas Arbeit verweist damit auch auf die materiellen Bedingungen, unter denen Bilder produziert, vertrieben und gezeigt werden.
Register
Film (Fluentum)
Margaret Honda
2021
Zeitbasierte Installation, drei Wechsel über 13 Wochen, 36 LEE-Lichtfilter
je 121cm x 92cm