Zöllner singen / Singing Customs Officers
Bereits beim Durchqueren des langen Aufgangs zum Eingang von Fluentum werden Besucherinnen und Besucher von zunächst vieldeutigen Klängen empfangen, die ihren Ursprung in den den Weg säumenden Büschen haben. Für die frühe Multimediaarbeit Zöllner singen / Singing Customs Officers bat Jankowski Zollbeamtinnen und Zollbeamte aus den Schengen-Ländern Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich, die Nationalhymne ihres jeweiligen Landes an den entsprechenden Übergängen zur Schweizer Grenze zu singen. Ihre teils zaghaften, teils inbrünstigen Gesänge wurden von Jankowski für eine Ausstellung in der Schweiz gefilmt, und die Videobänder wurden beim Import als Kunsttransport verzollt. Dieses offizielle Verfahren besiegelte den wirtschaftlichen und symbolischen Wert des fertigen Kunstwerks.
Rund zwanzig Jahre später, nach Berlin-Dahlem versetzt, rücken die Zollbeamtinnen und Zollbeamten erneut als Türhüterinnen und Türhüter in den Fokus. Während sie ihre jeweiligen Hymnen rezitieren, verfallen sie in einen wohlbekannten, obligatorischen Habitus der kerzengeraden, demütigen und puppenartigen Haltung: Wie Statuen vervollständigen sie das streng symmetrische Erscheinungsbild der Hausfassade. Gleichzeitig bilden die Gesänge einen ungezügelten Chor, in dem Inhalt, Melodie und Rhythmus der verschiedenen Hymnen zu einer schiefen Dissonanz verschmelzen. Im Schwebezustand zwischen humorvoll und todernst betont Zöllner singen / Singing Customs Officers die fast reaktionäre Antiquiertheit der Figur als ferngesteuerte Staffage zur Markierung nationaler Grenzen und einer geordneten Gemeinschaft in einer zur Grenzenlosigkeit neigenden Welt.
Register
Zöllner singen / Singing Customs Officers
Christian Jankowski
1999
4-Kanal-Videoinstallation, Farbe, Stereo, Zolldokument
720px x 576px, 1 Min. 47 Sek. (Frankreich), 1 Min. 2 Sek. (Italien), 1 Min. 22 Sek. (Deutschland), 1 Min. 40 Sek. (Österreich)