Wolfen
In Tobias Zielonys neuem Projekt Wolfen geht es um eine untergegangene schmutzige Ikone, und um die ferne Zukunft. Die ORWO-Werke in Bitterfeld-Wolfen waren die größte Filmfabrik der DDR. Die Schwarzweiß- und Farbfilme von ORWO prägten Kino und Fotografie im gesamten Ostblock. Bis zur Wende. Wo 15.000 Menschen arbeiteten, sind derzeit noch zwei Dutzend angestellt. Der Rest ist abgewickelt, die Werke abgerissen. Produziert wird heute in Wolfen ein besonders langlebiger Archivfilm, der verspricht, analoge Bilder und digitale Daten als QR-Code über 1000 Jahre lang zu bewahren. Es fragt sich, wer dann die Informationen noch lesen wird: Außerirdische (die Englisch sprechen)? Zu sehen sind Fotos, die Zielony vor Ort machte, zum Teil auf dem Film selbst fotografiert, der so lange hält. Zu lesen sind kurze Texte, die auf Gesprächen basieren, welche Zielony mit Arbeiter:innen führte, die im Dunkelraum der Fabrik arbeiteten. Die berüchtigte chemische Verseuchung des Standortes, die unwürdigen Arbeitsbedingungen, die Abhängigkeit von der Sowjetunion, das wird hier ebenso Thema wie der Kollaps der Industrie und Fragen nach Vergangenheit und Zukunft, nach Wissen und Nichtwissen, Verstehen und Nichtverstehen, nach Licht und Dunkel. — Alexander Koch
Register (FL//075)
Wolfen
Tobias Zielony
2022
1/6+2
2-Kanal-Diaprojektion, Farbe, 15 S/W-Fotografien, Filmkarton, Filmrollen
Verschiedene Dimensionen, 17 Min. 52 Sek.