Blaise Kirschner, 2022

UNICA

Basierend auf Blaise Kirschners umfangreicher Recherche zu immersiven Spielen befasst sich UNICA mit der Resonanz vergangener und gegenwärtiger Gewalt in post-apokalyptischen Computerspielwelten. Indem UNICA Motion Capture mit Zeichnung und quasi-archäologischen Verfahren verschmilzt, manifestiert es sich als komplexe und poetische Erkundung computationaler und nicht-computationaler Technologien und der synkretistischen Welten, die aus ihnen entstehen.

Die latente Präsenz einer namenlosen Katastrophe, die durch UNICA hallt, wird von den Figuren des Films wiederholt durch überlappende Verweise auf Computerspiele, Zeichnungen und Träume beschworen. Diese bewusste Unbestimmtheit vermengt sich mit der Entstehungsgeschichte des Teufelsbergs, an dem Teile des Films gedreht wurden. In UNICA wird der Landschaftspark am Rande Berlins, der aus Trümmern des Zweiten Weltkriegs errichtet wurde, zum Leitmotiv für die unterschwellige Präsenz historischer Gewalten und ihrer künstlichen Naturalisierung.

Kirschners filmischer Ansatz leitet sich aus den Zeichnungen und Schriften der Künstlerin Unica Zürn (1916–1970) ab, insbesondere aus ihrem illustrierten Text Das Haus der Krankheiten (1958). In Anagrammen und fantastischen Körperdarstellungen provozierte Zürn einen Bruch mit den normativen anatomischen, architektonischen und sprachlichen Strukturen, denen sie sich ausgesetzt sah. Kirschner überträgt Zürns generativen Ansatz auf digitale Produktionsformen und historische Drehorte und verwebt sie zu einer tiefgreifend aktuellen Untersuchung der Orte von UNICA.

Register (FL//070)

UNICA
Blaise Kirschner
2022
1/5+1
2-Kanal-Videoinstallation, Farbe, Stereo
3840px x 2160px, 34 Min. 54 Sek.