The Perfect Square
Gernot Wielands Film The Perfect Square öffnet sich auf einen weichen, körnigen blauen Himmel, der durch das Erscheinen und Verschwinden von Vögeln unterbrochen wird, die jedes Mal im Filmkorn verschwinden, wenn die Kameraoperatorin oder der Kameraoperator das Objektiv nicht auf das Motiv fokussieren kann.
Im Film erklärt Wieland, dass er über zwölf Jahre mit einer Vogeltrainerin oder einem Vogeltrainer zusammengearbeitet hat, die oder der versucht, Vögel dazu zu bringen, im Kreis zu fliegen, um von der Filmkamera erfasst zu werden. Das Ergebnis ist eine Reihe von Kommandos und Widerständen, die einen Apparat der Andersheit offenbaren.
Die flüchtige Qualität des Versuchs, fliegende Vögel im Bild einzufangen, verstärkt das Verlangen, zu bestätigen, ob die Vögel tatsächlich im Kreis fliegen. Die Andersheit der Vögel tritt hier in eine Ontologie des Scheinens ein, indem die Vögel in einem unbestimmten Raum zwischen dem Häuslichen und dem Wilden verortet werden. Es ist ein weiteres Beispiel einer Lücke, die Wieland nutzt, um nicht die Eigenschaften der Vögel selbst in den Vordergrund zu rücken, sondern stattdessen den Wunsch, sie zu kommandieren, sie auf menschliche Ziele hin zu instrumentalisieren, sie entweder als „nützlich" zu kategorisieren, weil sie trainiert werden können, oder als „schön", wenn sie die reine Geometrie eines Kreises nachzeichnen können.
Während das indexikalische Bild, das von der Kamera aufgenommen wird, ein Zeugnis der Schwierigkeit ist, die Vögel dazu zu bringen, auf Kommando etwas zu tun (und dadurch den Status des „Realen" zu verändern), beschwört der Titel des Werks selbst die intellektuelle Reinheit geometrischer Formen, die von der analytischen Philosophie seit der sogenannten Aufklärung als überlegen betrachtet werden, um die Naturgesetze zu beschreiben.
All dies bedeutet, dass das Wesen oder das Geschöpf, das einem Befehl, einem Programm oder einem Begehren nicht gehorcht, eine Arbeitsdefinition eines „Anderen" sein könnte, der Andersheit, eines „Anderen", der sich einem Du nähert – einem Anderen Ich.
Der Film untersucht weiterhin eine experimentelle Umfrage, die Wassily Kandinsky und seine Studierenden am Bauhaus Weimar 1923 durchführten. In seinen theoretischen Schriften zur Kunst hatte Kandinsky direkte Entsprechungen zwischen Grundfarben (Gelb, Rot, Blau) und Formen (Dreieck, Quadrat, Kreis) angenommen.
Auf diese Weise erkundet The Perfect Square die Frage, wie ästhetische und gesellschaftliche Normen unsere Gesellschaft und unser künstlerisches Schaffen sowie unsere (westliche) Weltsicht beeinflussen und kontrollieren. — Maxwell Stephens
Register (FL//080)
The Perfect Square
Gernot Wieland
2024
1/5+2
1-Kanal-Video, Farbe, Stereo
3840px x 2160px, 8 Min. 1 Sek.