Sven Johne, 2016

The Long Way Home

Nachts fährt ein Mann in einem Auto durch eine anonyme Stadt. Er kann nicht schlafen, also singt er sich ein Schlaflied, „Hush little baby, don't say a word." Eine innere Stimme quält ihn für die Dauer des Films in einem atemlosen Wortschwall:

„… eine Mutter steht neben ihrem toten Baby in einer improvisierten Leichenhalle im Krankenhaus. Gleichzeitig werden Leichen in einem Massengrab beerdigt an dem Tag, an dem Friedenstruppen eintreffen, und Kinder rennen durch einen Heuschreckenschwarm. Eine Frau, die ein Foto ihres Bruders hält, wird informiert, dass der Schädel seiner ist. Die Leiche eines Passagiers liegt im Schlafzimmer eines Hauses, nachdem sie durch das Dach gestürzt ist. United Airlines Flug 175 nähert sich dem World Trade Center über der Skyline von Manhattan und stürzt in dessen Südturm. Der abgetrennte Kopf eines Mannes. Er sagte mir, ich solle den langen Weg nach Hause nehmen nach der Arbeit …"

Die Figuren aus diesen beschriebenen Bildern scheinen mit ihm zu sprechen. „Nimm den langen Weg nach Hause, sing dir ein Schlaflied, entspann dich." Der Mann hält immer wieder an, versucht, sich zu erholen. Und wieder beginnen die Stimmen. Er fährt weiter, singt weiter. Am Ende die Erlösung: Er schläft ein – am Steuer des fahrenden Autos.

Der Text basiert auf Bildunterschriften von World Press Photographs, 2001–2015.

Register (FL//046)

The Long Way Home
Sven Johne
2016
1/5+2
1-Kanal-Video, Farbe, Stereo
1920px x 1080px, 10 Min. 16 Sek.