Shoum
Katarina Zdjelars Videoarbeit Shoum beginnt mit einem leeren Bildschirm: Wir sehen kein Bild, hören aber den Sound des Tears for Fears-Megahits Shout von 1984. Dann sehen wir einen iPod, ein Blatt Papier und die Hände zweier Männer aus Belgrad, die Stifte halten. Im Verlauf der nächsten sieben Minuten beobachten wir, wie die beiden versuchen, den Liedtext von Shout zu entziffern, als ob er eine verschlüsselte Botschaft enthielte. Dies ist tatsächlich der Fall, wenn man bedenkt, dass diese Männer kein Englisch sprechen. Sie transkribieren phonetisch, was sie hören, basierend auf ihrem eigenen Wortschatz und ihrer Fähigkeit, das Unbekannte stimmlich zu interpretieren. „Shoum Shoum Lajdi o Lau", schreiben und singen sie in einer seltsam erfundenen Sprache irgendwo zwischen phonetischer Transkription, Serbisch und Englisch, während Tears for Fears „Shout, shout, let it all out" singen.
Wir erleben, wie durch Fehler und Deformationen eine völlig „neue Sprache" entsteht, die auf faszinierende Weise auf verschobene Art mit dem Original verwandt ist, nämlich akustisch. Wie schnell deutlich wird, ist Bedeutung hier weniger eine Frage des Verstehens als des Verarbeitens und Assimilierens. Von der Lingua franca einer globalisierten Welt abgeschnitten, schaffen diese beiden Männer mit Ausdauer etwas Eigenes, das zwischen dem Fremden und dem Vertrauten liegt. Das Werk eröffnet damit einen Raum für Kritik, indem es Mladen Stilinovićs „An Artist Who Cannot Speak English Is No Artist" und seine implizite Antithese aufgreift.
Register (FL//044)
Shoum
Katarina Zdjelar
2009
3/5+2
1-Kanal-Video, Farbe, Stereo
720px x 576px, 6 Min. 58 Sek.