Raphaela Vogel, 2012/2019

Psychogräfin

Raphaela Vogels Titel fasst sowohl die Verspieltheit als auch das Anliegen dieser Arbeit zusammen: Er spielt auf einen psychologischen Zustand an, vermittelt aber auch eine autorhafte, adelnde Bedingung für eine Frau – die „Gräfin".

Eine Figur in einem abgedunkelten Raum, die sich scheinbar von unten erschießt. Dann eine Nahaufnahme, überlagert von einem Raster: Sie steckt ihr langes Haar hoch, während ein Lichtstreifen über eine Glasscheibe gleitet, die Teil eines gewöhnlichen A3-Flachbett-Scanners zu sein scheint. Ist das noch sie, das Antlitz der Gräfin, das wir auf dem Scannerbildschirm sehen, oder ist es das Spiegelbild einer Videodarstellung? Oder scannt sie gerade das Video? Scannt das Video den Film, der die Psycho-Gräfin-selbst scannt?

Der Spiegeleffekt, der Psychogräfin strukturiert, greift eine gefeierte Formel von Rosalind Krauss auf. 1976 hatte sie argumentiert, dass Video ein Medium der Selbstbezogenheit sei, was sie „zum psychologischen Modell" drängte, um Video zu beschreiben, und die zentrale Frage aufwarf: „Das Medium Video ist Narzissmus?" Sie prägte ein starkes Gleichnis für das Video (performender) Künstlerinnen und Künstler: ein Körper, der zwischen zwei Geräten steht, die als Klammern fungieren: „Das erste dieser Geräte ist die Kamera; das zweite ist der Monitor, der das Bild der Darstellerin oder des Darstellers mit der Unmittelbarkeit eines Spiegels neu projiziert." – Elena Zanichelli

Register (FL//056)

Psychogräfin
Raphaela Vogel
2012/2019
10/40+10
1-Kanal-Video, Farbe, Stereo
720px x 540px, 16 Min. 50 Sek.