Now (Emy Chauveau)
„Du musst allen meinen Anweisungen folgen." Und das tust du. Du tust es sehr vernünftigerweise. Du lächelst. Du schreist. Du tanzt. Du drückst dein eigenes Ich aus. So wie du dazu aufgefordert wirst. Die Instruktorin (Emy Chauveau) zeigt dir, wie es geht. Sie lächelt. Es geht dir durch den Kopf, dass Primaten lächeln, um potenzielle Stärke zu zeigen. Du fühlst dich irgendwie bedroht. Warte, nein. Du fühlst Glück, sagt sie. Sie spricht davon, eine innere Ruhe zu finden, während im Hintergrund Bildblitze projiziert werden. Dein Puls holt die elektrische Geschwindigkeit ein. Als sie näher kommt und das ausdrucksstarke Lichtspiel einen Schatten auf ihr Gesicht wirft, gibst du dich immer mehr ihren Anweisungen hin. Ihre Hand berührt dich, du spürst ihren Atem. Atme. Sieh mir in die Augen. Ihr Blick richtet sich direkt an dich. Aber du bist nicht allein. Außerhalb des Bildes hat eine ganze Gruppe von euch begonnen, seltsam zu tanzen und das eigene Ich auszudrücken. Du wirst nicht durch die Leinwand geschützt, sie ist transparent geworden, und du siehst dein unbeholfenes Spiegelbild darin. Die Erfahrung wird sorgfältig beobachtet. Du präsentierst dein ungeschicktes kleines Ego zum Wohl der Sache. Die Künstlerin nimmt es auf.
Wie Falsnaes es formuliert, geht es bei Performances darum, „eine bedeutsame Erfahrung zu schaffen". In Now (Emy Chauveau) zeigt uns Falsnaes die zugrundeliegenden Mechanismen der Genussmottos, denen wir uns ständig unterwerfen. Im Jetzt leben. Sei die Person, die du sein willst. Chauveau leiht ihre Stimme den Schlagworten einer Wohlbefindens-Kultur. Es fühlt sich verzweifelt an, und doch spielen wir mit, fletschten die Zähne und klatschen in die Hände. Ihr autoritärer Blick leitet uns in der Jagd nach einem flüchtigen Gegenwartsgefühl, in dem wir das Jetzt und unser eigenes Ich damit ergreifen können.
Ja, sagte sie – „dein eigenes".
Register (FL//047)
Now (Emy Chauveau)
Christian Falsnaes
2015
10/40+10
1-Kanal-Video, Farbe, Stereo
1920px x 1080px, 14 Min. 20 Sek.