Ferhat Özgür, 2009

Metamorphosis Chat

In Metamorphosis Chat zeigt Ferhat Özgür eine alltägliche Begegnung zweier Frauen in einem Wohnzimmer. In Anlehnung an Materialien aus türkischen Seifenopern diskutieren die Frauen über ihre alltäglichen Themen: Familie, Enkelkinder und Freundinnen. In diesem geselligen Raum wenden sie sich ihrer Kleidung zu, mit den jeweiligen Signifikanten religiöser und kultureller Differenz.

Langsam verwandelt sich der inszenierte Moment in ein spielerisches, fesselndes Spiel des „Verkleidens", bei dem die beiden Protagonistinnen buchstäblich die Kleider tauschen. Die Schlichtheit dieses Tauschs wird durch den gemeinsamen Humor der Frauen, ihre herzliche Freundlichkeit und ihre Offenheit im Umgang mit dem, was sonst eine peinliche Situation sein könnte, befeuert – sie kichern übereinander und über sich selbst.

Die Signifikanten der Kleidung thematisieren und übertreiben die Polarisierung von Säkularismus versus Religion oder Ost versus West, während sie gleichzeitig Fragen des Idealismus und der Repräsentation unterlaufen. Ein Kopftuch wird zur Frage eingewurzelter Gewohnheit statt religiöser Zugehörigkeit, das Wärme und Geborgenheit schenkt, während kein Kopftuch für den Beruf der Lehrerin kulturell akzeptiert wird.

Diese Rationalisierung der Kleidung nach persönlicher Gewohnheit und persönlichen Entscheidungen spielt sich zwischen alten Freundinnen ab, und doch besteht noch immer die Fähigkeit zur Transformation. Ihr Potenzial zum Austausch verspottet die Angst und die oft moralisierenden Debatten über Symbole mit religiösen Konnotationen, während es gleichzeitig an die Fähigkeit erinnert, die Kleider einer anderen Person anzuziehen oder in deren Schuhen zu gehen.

Register (FL//019)

Metamorphosis Chat
Ferhat Özgür
2009
3/5+1
1-Kanal-Video, Farbe, Stereo
720px x 576px, 9 Min. 49 Sek.