Marco Poloni, 2008

Majorana Eigenstates

Das Majorana-Experiment umfasst drei Filme, eine Reihe von Fotografien und ein historisches Dokument, die ein offenes narratives Dispositiv bilden. Die Geschichte entfaltet sich aus einem Bericht über Ettore Majorana, ein Genie der italienischen Physik, das 1938 unter mysteriösen Umständen auf See verschwand.

Im Hauptfilm, Majorana Eigenstates, lebt ein Schauspieler, der Majorana verkörpert – und dem er seltsamerweise ähnelt – synchron an zwei Orten: in einem Hotelzimmer in Neapel, wo der echte Ettore Majorana lebte, bevor er auf See verschwand, und in der Kabine eines Schiffs. Der Einsatz zweier Kameras mit einem Parallaxenabstand erzeugt einen gespaltenen filmischen Raum.

Die in diesem Werk vorgebrachte Theorie ist spekulativ. Majorana vollzog an sich selbst ein „Quantenverschwinden": einen Übergang von einer verkörperten Existenz zu einer Multiplikation von „Eigenzuständen", die synchron an verschiedenen Orten koexistieren können und dabei die Gesetze überschreiten, die Zeit und Raum verknüpfen. Diese Idee versieht das klassische Narrativ mit einer offenen Struktur, in der Majoranas ungewisse Reise zu einer Zeitkapsel wird, einem Behälter für Erzählungen, die nachfolgende Historisierungen potenziell mit Bedeutung füllen können.

Register (FL//005)

Majorana Eigenstates
Marco Poloni
2008
3/5+2
1-Kanal-Video, Farbe, Stereo
1920px x 1080px, 45 Min. 47 Sek.