Marcel Odenbach, 2011

Im Schiffbruch nicht schwimmen können (Foundering, and You Can't Swim)

Drei Männer unterschiedlichen Alters aus Subsahara-Afrika, sogenannte Migranten, besuchen den Louvre in Paris und betrachten ein Gemälde: Das Floß der Medusa von Théodore Géricault (1819). Das Gemälde ist nicht nur neben der Mona Lisa das berühmteste im Louvre; es fasst auch das gesamte Elend des französischen Kolonialismus zusammen. Das Versagen der Europäer vor sich selbst. Unter der Flagge der großen Nation und der Idee von Revolution, Freiheit und Brüderlichkeit werden Menschen zu Kannibalen.

„Für diese Arbeit habe ich ausführliche Interviews mit den drei Afrikanern über ihre Reise, oder besser ihre Flucht, über ihre Motivation und ihr Leben geführt. Sie sprachen zu mir über ihr Heimweh, ihre Sorgen, ihre Ängste und das Fremdsein im eigenen Land. Sie verheimlichten mir Dinge und waren bereit, kritisch zu sein. Ich habe aus diesen langen Gesprächen nur wenige Aussagen entnommen und beschlossen, sie nicht mündlich, sondern schriftlich zu verwenden. Sie schweigen vor dem monumentalen Bild. Am Meeresrand sitzend, träumend von fernen Dingen. Aber was passiert, wenn das Ferne zur Heimat wird? Das Meer in meiner Arbeit ist das Meer vor meinem Zuhause in Ghana, das ich jeden Tag sehe. Das Meer, das endlos, friedlich, dann wieder voller Gefahr erscheint. Hoffnung und die Heimat, die für mich als Deutschen auch immer Rettung und Flucht bedeutet." – Marcel Odenbach

Register (FL//038)

Im Schiffbruch nicht schwimmen können (Foundering, and You Can't Swim)
Marcel Odenbach
2011
10/40+10
1-Kanal-Video, Farbe, Stereo
1920px x 1080px, 8 Min. 23 Sek.