Jonas Roßmeißl, 2023

Gewaltvideo

Gewaltvideo basiert auf einer Datensammlung zu Akten körperlicher Gewalt. Sowohl Dokumentationen öffentlich übertragener Mixed-Martial-Arts-Kämpfe als auch privat aufgenommene Gewaltszenen aus dem ehemaligen Videoportal LiveLeak bildeten die Grundlage einer umfangreichen Sammlung. Dieses Bewegtbildmaterial wurde in seiner Gesamtheit mit OpenPose verarbeitet. Das System analysiert die Informationstiefe jedes einzelnen Bildpixels und nutzt diese, um Figuren und ihre Bewegungsmuster zu identifizieren. Dabei entsteht ein Datensatz, der zur Avatarisierung der zuvor verarbeiteten Bilder verwendet werden kann.

Zugleich ist es jedoch ein Prozess, der zur Entleerung der Bilder führt, indem den Handelnden jegliche äußeren Erkennungsmerkmale und situativen Kontextualitäten entzogen werden und das Material so auf einfache Darstellungen der Bewegungsdaten reduziert wird – d.h. auf den Gewaltakt in Grundfarben als Strichkombinationen.

Das finale Material wurde nach zwei Signifikanten ausgewählt und montiert: dem Motiv der Grenzauflösung und der wiederkehrenden sozialen Konstellation von Opfer, Täter und Drittem. Der daraus resultierende repetitive Rhythmus der Bilder wird einer auditiven Narration gegenübergestellt: einer koordinierten Konfrontation des sowjetischen Chorals Puschkins Girlande (Sie schlagen die Morgendämmerung), 1979, von Georgi Wassiljewitsch Swiridow und dem Adlibs1-Soundtrack von Bustin At Em, 2010, des US-amerikanischen Rappers Waka Flocka Flame (bürgerlicher Name Juaquin James Malphurs).

1 Adlibs (lat. ad libitum) ist eine Gesangspraxis im Trap-Genre, bei der kurze Einwürfe oder Füllwörter in den eigentlichen Songtext eingewoben werden.

Register (FL//083)

Gewaltvideo
Jonas Roßmeißl
2023
1/5+2
1-Kanal-Video, Farbe, Stereo
1920px x 1080px, 5 Min. 53 Sek.