Cyrill Lachauer, 2020

Esel

Der Film Esel, in dem Cyrill Lachauer ein nordalpines Ritual untersucht, thematisiert unter anderem den Exotismus. Einerseits könnten die Esel-Tänzer aus sehr unterschiedlichen Kulturregionen stammen, andererseits wählt Lachauer bewusst einen Brauch, der ihm vertraut und nah ist, da er selbst in den Alpen aufgewachsen ist.

Einem alten Brauch folgend, ziehen junge, furchterregend maskierte Männer als Esel verkleidet Anfang Dezember durch das Bergarbeiterdorf Stilfs. Sie tragen archaisch wirkende Masken, bunte Lappenkostüme und Riemen mit großen Glocken vor dem Körper. Während sie sich bewegen, schwingen sie wild die Hüften, schreien wie Esel und wälzen sich auf dem Boden. „Klosn" heißt dieser ausschließlich männliche Brauch. In seinem Film löst Lachauer den Tanz aus seinem traditionellen rituellen Kontext des Winterumzugs heraus und versetzt die Esel in eine norditalienische Berglandschaft. Für diesen Anlass komponierte Moritz Stumm einen Soundtrack aus elektronischer Musik.

Esel fügt sich in eine Gruppe von Tanzfilmen ein, wie Justin und The Rain Dancer. Sie alle zeichnen sich durch das Bestreben aus, durch Bewegung, Musik und Ritual eine Verbindung mit der Landschaft herzustellen. – Cornelia Gockel und Cyrill Lachauer

Register (FL//061)

Esel
Cyrill Lachauer
2020
2/3+1
1-Kanal-Video, 16mm-Film auf Farbvideo übertragen, Stereo
1920px x 1080px, 4 Min. 47 Sek.