Omer Fast, 2012

Continuity

Torsten und Katja, verheiratet und mittleren Alters, bereiten schweigend einen festlichen Empfang in ihrem Zuhause vor. Sie fahren zum Bahnhof und holen Daniel ab, einen schlaksigen jungen Mann in Bundeswehr-Uniform, der auf sie wartet. Die Begegnung ist unbeholfen: Die Eltern werden emotional, während der Sohn zunehmend distanziert und passiv wirkt, unsicher und fremd. Zu Hause erwidert er ihre Zuneigung nicht, was sie verzweifelt und aufgewühlt macht. Katja unternimmt einen letzten Versuch, zu ihrem Sohn durchzudringen – sie streichelt ihn leidenschaftlich, nachdem er schlafen gegangen ist, doch er tut so, als schlafe er, und sie gibt auf.

Am nächsten Tag sind Torsten und Katja wieder im Auto auf dem Weg zum Bahnhof. Die Stimmung zwischen ihnen ist angespannt. Sie sprechen kaum. An derselben Stelle wartet ein weiterer junger Mann in Bundeswehr-Uniform. Er sieht seinem Vorgänger ähnlich, ist aber etwas älter, vielleicht etwas selbstsicherer. Das Paar steigt aus dem Auto und betrachtet den jungen Mann lange, bis es emotional wird und er auf sie zuläuft und sie sich umarmen. Die Begegnung ist für die Eltern kathartischer. Dieser junge Mann kostet pro Stunde vielleicht mehr – aber er ist auch aufgeschlossener, entgegenkommender und sehr darum bemüht zu gefallen. Das Geld ist gut investiert.

Zu Hause ist der zweite Daniel ein voller Erfolg. Er erzählt lustige Geschichten und hilft beim Abwasch. Er ist außerdem unbefangen mit seinem Körper und herzlich zu beiden Elternteilen. Leider erzeugt das mehr Reibung und Eifersucht zwischen dem Paar. Bei Einbruch der Dunkelheit ist klar, dass sie jemand anderen finden müssen.

Am nächsten Tag sind Torsten und Katja wieder im Auto auf dem Weg zum Bahnhof. Ein junger Mann wartet auf sie. Er richtet sich auf und wirft seine Zigarette weg, als das Auto ankommt.

Continuity beginnt als geradlinige Geschichte einer emotionalen Heimkehr und wird mit jedem weiteren Rendezvous ungewöhnlicher. Es bleibt unklar, ob das Paar einen tatsächlichen Verlust erlitten hat – oder ob ihr Ersatz-Sohn nur ein Mittel ist, um zusammenzubleiben. Insgesamt drei verschiedene Daniels verbringen die Nacht im Haus. Jeder verschwindet unter mysteriösen Umständen, bis wir sie am Ende alle in einem Graben sehen – weder tot noch lebendig, weder in Deutschland noch in Afghanistan.

Filmgalerie 451

Register (FL//018)

Continuity
Omer Fast
2012
2/6+2
1-Kanal-Video, Farbe, Stereo
1920px x 1080px, 39 Min. 22 Sek.