Gernot Wieland, 2021

Bird in Italian is Uccello

Gernot Wielands Film Bird in Italian is Uccello vertieft sein Interesse an psychologischen Zuständen und der Konstitution von Zugehörigkeit in verschiedenen sozialen Kontexten. Ausgehend von Daphne du Mauriers Kurzgeschichte The Birds und ihrer filmischen Adaption inszeniert Bird in Italian is Uccello eine Theaterproduktion des Horror-Thrillers nach. Dabei stützt sich Wieland auf den Bericht einer nie aufgeführten Theaterinszenierung von Mauriers Geschichte – eine, die in einer psychiatrischen Klinik in Norditalien hätte aufgeführt werden sollen. Sein Film kehrt die Rollen des Originalskripts um: Menschliche Figuren werden zu Vögeln und die Vogel-Protagonisten zu Menschen. Mit Bezug auf Slavoj Žižeks Begriff des „Realen" erschüttert diese Rollenumkehr nicht nur Vorstellungen von Realität, sondern wird bei Wieland zu einem Mittel, soziopolitische Angst mit der Migration von Vögeln zu verknüpfen und soziale Psychologie und Natur zu verschmelzen, um Machtbegriffe zu erkunden.

Mit seiner besonderen filmischen Sensibilität verbindet Wieland körniges Video, Knetanimation, Kartoffeldrucke und Zeichnung zu einer absurden Reflexion. Indem er das Soziopolitische als von Natur aus theatralisch rahmt, wirft Wieland auf sein Publikum die Möglichkeit zurück, dass Politik nichts weiter als ein Kreisschauspiel ist. Auf diese Weise wirkt Bird in Italian is Uccello als kathartische Entladung, in der die Möglichkeit, an einen Ort zu denken, der noch nicht existiert, festgefügte Narrative um soziale Zugehörigkeit, psychologische und politische Macht tiefgreifend erschüttert. – Toby Upson, 2021

Bird in Italian is Uccello wurde von Fluentum anlässlich der dritten Ausgabe der BIENALSUR 2021 koproduziert.

Register (FL//068)

Bird in Italian is Uccello
Gernot Wieland
2021
1/5+2
1-Kanal-Video, Farbe, Stereo
1440px x 1080px, 14 Min. 26 Sek.